Karate
Was ist eigentlich Karate? Drucken E-Mail

Man könnte sagen, Karate ist eine ganz moderne Sportart mit einer sehr alten Tradition. Es stammt ursprünglich nämlich aus einer Zeit, wo Menschen damit in kriegerischen Kämpfen ihr Leben verteidigen mussten. Das war einmal Heute ist Karate Sport. Aber immer noch auch Kampf. Kampfsport eben - mit Regeln, Verbänden und Vereinssatzungen. 
Im Englischen heißen die Kampfsportarten übrigens Martial Arts - Kampfkünste. Und das ist auch ganz richtig, denn Karate hat auch sehr viel mit Kunst zu tun - also mit Schönheit und Anmut, mit Rhythmus und körperlichem Ausdruck. 
Am besten erklären kann man dem Laien Karate vielleicht, wenn man einfach mal beschreibt, was man macht, wenn man zu uns ins Karate geht.

Vor dem Training ziehen wir unseren Karate-Anzug an, den sog. Gi. eine weiße Hose und eine bequeme weite Jacke geben einem den körperlichen Bewegungsraum, den man fürs Karate braucht. Der Gürtel, den man dazu trägt, zeigt an seiner Farbe den Grad an, den der oder die Karateka erreicht hat. Bei weiß fängt man an, und die besten schaffen es, einen Dan-Grad zu erreichen, also den schwarzen Gurt.

Kyu - Grade
9.Kyu - 8.Kyu - 7.Kyu - 6.Kyu - 5.Kyu - 4.Kyu - 3.Kyu - 2.Kyu - 1.Kyu - 1.Dan -

Wenn das Training beginnt, stellen wir uns in unserem Dojo (japanisch für „der Ort des Weges“, also einfach für uns: unsere Trainingshalle) in einer Linie vor dem Trainer auf. Der ist der oder die Sensei, ein Meister also. Die Schüler stellen sich geordnet nach ihren Farben auf - das zeigt auch gleich, wozu diese Farben da sind: Sie schaffen Ordnung und Übersicht im Dojo.
Nach dem Ritual des Begrüßens knien wir uns nieder für einige Minuten der Meditation. Ein Moment der Ruhe und Konzentration, der Sammlung und der inneren Vorbereitung auf das Training. Alltagsprobleme, Stress, Hektik - all das soll draußen bleiben. Man macht 
sich frei davon, man macht sich leer, damit man aufnahmebereit wird für das Kommende.

Und was kommt dann? Wie trainiert man Karate? Was macht man da eigentlich?
Zunächst muss man sich aufwärmen - mit Laufen, Spielen, was auch immer die Muskeln warm macht und den Kreislauf in Schwung bringt. Dann machen wir ein gründliches Stretching, um beweglich zu werden und Verletzungen vorzubeugen. Schließlich kanns losgehen - Karate, die Kunst der „leeren Hand“. 

Karate heißt so, weil an seinen Ursprüngen - im 14. Jahrhundert in Okinawa -mit dem Schwert oder der Lanze gekämpft wurde. Wer keine dieser Waffen besaß, musste lernen, seine Gliedmaßen als Waffe einzusetzen: Hände, Fäuste, Füße, Beine, Ellenbogen, Handkanten, Finger - was auch immer dazu taugte, durch Stoß, Schlag, Hieb, Tritt oder Griff zum Kämpfen eingesetzt zu werden. Daraus haben sich eine Vielzahl einzelner Techniken entwickelt - z.B. ein gerader Fauststoß nach vorne, japanisch Tsuki - die man höchster Kraft, Schnelligkeit und Präzision ausgeführt werden müssen, um wirksam zu sein. Und genau das muss man immer wieder üben. Das kann man mit oder ohne einen Partner üben. Mit einem Partner nennen wir das Kumite - Kampf. Da gibt es ganz verschiedene Formen, denen aber allen eins gemein ist: Zwei Gegner stehen sich gegenüber und versuchen, ihre Techniken anzuwenden, also: Aus dem Kampf als Sieger hervorzugehen.

Also bis der andere am Boden liegt und nicht mehr aufsteht?
Aber nein. Wir leben schließlich nicht mehr im Mittelalter von Japan. Heute machen wir Sport. Das heißt für uns im Karate: Gek ämpft wird um Punkte. Punkte bekommt man für erkennbare Körpertreffer. Wie man die erreicht, und wie man sich gegen solche Treffer auch wirksam schützt - genau das lernt man bei uns. Karate, wie wir es machen, ist kein K.O.-Kampf. Der physische Kontakt beschränkt sich auf solche Treffer, die dem Getroffenen keinen gesundheitlichen Schaden zufügen dürfen. 

Darum steht im Mittelpunkt unseres Karatetrainings die Kontrolle dieser Techniken. Dazu brauchen wir eine exzellente Kondition und große Körperbeherrschung, eine schnelle geistige und körperliche Reaktionsfähigkeit auch unter hoher körperliche Belastung und einen entsprechenden Aufbau der Muskulatur und des gesamten Bewegungsapparates.

Kurz: Karate-Training ist die umfassendste und intensivste körperliche und mentale Herauforderung.
Karate ist einfach unglaublich gesund: Wer immer nur seine Hanteln stemmt, kriegt vielleicht tolle Muskeln, aber keine Kondition. Wer immer nur läuft, hat Kondition, aber keine Kraft. Und wer beides macht, hat immer noch nichts dabei denken müssen.

Karate dagegen ist alles zusammen: Geist, Kraft und Fitness.

Eine Trainingseinheit dauert meist etwa 90 Minuten. Wir trainieren die Grundtechniken des Karate (das Kihon), üben der Partnerkampf (Kumite) und verbinden Techniken und Angriffe in den komplexen Bewegungsabläufen der Karate-Formen (die sog. Kata). Ein spezielles Krafttraining bildet oft den Abschluss des Trainings, das immer so endet wie es begonnen hat: Das Verbeugen vor dem Trainer und dann das Meditieren im Sitzen (jap. Seiza - das Sitzen auf den Fersen zum Zweck der Zazen-Übung). Während dieser Minuten herrscht tiefe Stille im Dojo. Man kommt zur Ruhe, der Puls verlangsamt sich, die Atmung wir wieder kontrolliert. Man sammelt sich, vergegenwärtigt sich noch einmal das Gelernte. Dann kommt die Verbeugung vor dem Trainer, wir stehen auf und verbeugen uns noch einmal voreinander. Das Training ist zu Ende. 


Noch mehr Fragen zum Karate? Hier gibt es hoffentlich alle Antworten …

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 07. März 2010 um 18:30 Uhr